Don’t drink and…visit the Intermot – Teil 2

Jaja…der zweite Teil meines Intermot-Berichts. Jetzt. Erst. Schande, Asche und Kettenfett auf mein Haupt. Reichlich. Es ist wie mit Parties: Die richtig coolen Leute kommen IMMER zu spät. Vor allem, wenn sie größenwahnsinnige Motorblog-Narzisten sind. Das weiß ja nun wahrlich jedes Kind.

Also, hopp hopp, Herr wieCarreranurmitO lädt zum motorisierten…

Electro-Boogie

Der zweite Teil meiner Intermot-Vacation begann in der eigens für das Thema „Elektromobilität auf 2 Rädern“ zur Verfügung gestellten Halle 5.2. Halt immer am Puls der mobilen Zeit, dieser geile WCNMO-Typ. Das Thema nimmt im wahrsten Sinne des Wortes mittlerweile ziemlich viel Raum ein und bietet von skurrilsten Tret-Opa-Roller-mit-Motor…-Dingern über Massen an Elektro-Rollern bis hin zu sündhaft teuren und verarbeitungstechnisch verboten guten HighSpeed-Pedelecs. Also alles, was das ressourcensensible Bikerherz wünscht. Oder auch vielleicht eher nicht…doch seht selbst im Daumenkino:

Be your Bike. Be Big.

So viel also zum Thema Bits. Wie zu erwarten, ließ das nächste Thema nicht lange und vor allem auch räumlich eigentlich fast nirgendwo auf sich warten. Hier bestätigt sich ein Eindruck, den ich seit Jahren an jedem Ort mit einer Häufung von Motorradfahrern gewinnen kann: Eine beeindruckende Anzahl von nicht weniger beeindruckenden Bäuchen Schrägstrich Plauzen, zu 99% fest verdrahtet an einen männlichen Körper 50+. Nun, die Gesellschaft an sich wird immer älter und das hat natürlich auch einen Einfluß auf Motorradfahrer. Wenn man das mit der Abscheu vieler deutscher Kradisten vor Hubräumen unter 1000cm³, und dem immer steigenden Preisniveau der entsprechenden Bikes in einen Topf wirft, weiß man sehr schnell, woher die Bäuche rühren. Ca. 60% der deutschen Motorradfahrer sind mindestens 40 Jahre alt, und es sind auch nur die Altersgruppen ab dieser Schallmauer, die unter den Zweiradtreibern noch signifikant wachsen. Und trotz der gefühlten Omnipräsenz der überdimensionierten körperlichen Äquatorialzonen im Leben eines (noch) weitestgehend plauzenlosen und (noch) haarreichen Mopeteurs, kristallisieren sich schnell Epizentren dieser motorisierten Wampen heraus: BMW. Zubehör für BMW. Chopper und Cruiser. Und alles andere, was schwer und/oder langsam ist. Vielleicht gleichen sich Fahrer und Fahrzeug dann ja doch final aneinander an. Hier eine kleine Auswahl:

Kausalität und der Homo Cruiserus

Ob in der Physik, der Philosophie oder in der Sozialwissenschaft: Das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung beschäftigt die Gelehrten unserer kleinen Weltkugel seit Menschengedenken. Kausalität als ultimatives Gesetz unserer Realität. Nicht anders bei Diplom-Motorist R. wieCarreranurmitO.  Und da er weiß, dass Ursache und Wirkung oft sehr nah beieinander liegen, musste er nur der Wirkung (Bäuche) lang genug folgen, um die Ursache (Bier) zu finden. Womit wir ziemlich schnell bei Harley-Davidson landen. Denn dort gab es Ursache bis zum Abwinken und für Umme. Und plötzlich ergab alles einen Sinn.

Leider ließ sich die große Bauch/Bier/BigBike-Sause akkubedingt nicht mehr bildlich dokumentieren. Ich schildere aber gerne die sehr aufschlußreiche Sitzprobe auf einigen der Schwereisen aus Milwaukee: Stellt euch einfach euer Motorrad vor. Nur einen Meter länger. Mit dem Gewicht eines Wohnmobils. Und seinem Preis. Mit einer großzügigen Portion klebrigen Spätzleteig zwischen allen sich bewegenden Teilen, die man beim Motorradfahren üblicherweise mit Hand und Fuß berührt. Selbst meine 30 Jahre alte Vespa hat ein knackigeres Feel. Nun gibt es tatsächlich EIN sehr interessantes E-Bike-Konzept, dass sowohl was Fahrdynamik, Design und Innovation angeht auch Heavy-Metal-Verweigerer (das gilt jetzt für mehrere Lebensbereiche) wie mich bekehren könnte: Project Livewire. Leider jedoch nicht auf der Intermot.

Und wenn schon Cruiser, dann finde ich tatsächlich viel interessanter, was der Polaris-Konzern im sehr schweren Angebot hat. Mit Victory hat man aus dem Nichts eine Marke geschaffen, die meiner Meinung nach das ewig gestrige Design dieser Motorradgattung stilvoll modernisiert und für oft weniger Geld mehr Technik und Bums bietet. Die Neuauflage der Traditionsmarke Indian hingegen bietet noch mehr Retro-Schwulst-Galore in Kombination mit der hier achso wichtigen Heritage und genießt bei einem benzintechnischen Nonkonformist wie mir einfach den Individualistenkauf-Bonus. Extra-Punkte gibt es für das Bedienen eines in dieser Gattung so sträflich vernachlässigten Bedürfnisses: Fahrdynamik. Die neue Scout belebt das etwas in Vergessenheit geratene Segment der Power-Cruiser wieder. Wasserkühlung, Vier Ventile pro Zylinder, 100PS und für diese Gattung astronomische 8000 U/min: Sporty Riding, ick hör dir trapsen.

So, ich hab es gesagt und die Harley-Fahrer können mich jetzt gerne mit Bierdosen beschmeißen. Oder Dentalsonden. Oder Gesetzbüchern. Oder einfach mit Geldscheinen. Scheint bei dieser Klientel ja alles in ausreichender Menge vorhanden zu sein. Hochgewichtiges Bildmaterial gibt es hier:

(Zu) Dickes B

Bits, Bäuche und Bier. Fehlt nur noch ein großes B, um diese testosterongeschwängerte Spielweise für XY-Chromosomaten, die die Pubertät noch nicht ganz hinter sich gelassen haben, zu komplettieren: BRÄUTE. Oh Boy, denen entkommt man auf dieser Messe ähnlich gut, wie dem Finanzamt. Ein schier unerschöpflicher Vorrat an auffällig unbekleideten und auffällig attraktiven Frauen, die wahrscheinlich noch nicht soo lange auch nach 0Uhr noch in die Disco dürfen. Ich frage mich bei dieser auf jeder Messe im automobilen Umfeld zu beobachtenden Kuriosität immer zwei Dinge:

1. Wo finden die die immer in so große Mengen?

2. Warum geht es anscheinend nicht ohne?

Zu letzterem: Ja, ich schaue auch gerne schöne Frauen an. Ziemlich gerne sogar. Aber warum müssen sie wie ein Stück Fleisch auf einem Teller gedreht werden und auf solchen Messen keinen anderen Zweck haben, als Aufmerksamkeit der Besucher zu provozieren? Und zwar mangels Kleidung und optischer Defizite mittels sexistischer Brechstange? Das man auf Messen wie der CeBit, deren Kernprodukte nun leider nicht per se mit überbordender Sexyness gesegnet sind, auf diesem Wege sehr verzweifelt um Besucherinteresse buhlt, ist immer noch sexistischer bullshit, aber in nicht ganz so schlauer Chauvi-Denke zumindest noch nachvollziehbar. Aber Auto- und vor allem Motorradmessen?

Mehr Produkt-Sexyness kann ich mir schwer vorstellen. Man muss sich doch nur den Werbe- und Marketingzirkus um Autos und Motorräder herum anschauen: Nirgendwo sonst wird einem ähnlich penetrant eingeredet, Leidenschaft, Schönheit, Sportlichkeit und an James Dean’sche Ausmaße grenzenden Heldenmut einfach durch Überweisung nicht ganz unerheblicher Beträge erlangen zu können. Stelle einen beliebigen exotischen Supersportwagen oder heftigen Chopper-Umbau in die Nähe einer beliebigen Innenstadt-Szenerie, und der gaffende Plebs drückt sich die Nasen an Fenstern und Auspuffrohren platt. Ganz ohne heisse Bräute. Jesses, abseits von bekannten Geld-Hochburgen klappt das sogar mit einem Porsche Beetle 911 wieCorreranurmitA!

Und richtig fetzig oder lukrativ ist es für die Messe-Babes auch nicht, wie folgender sehr interessante Insiderbericht belegt. Und ich weiss ja nicht, wie es euch geht, aber wenn ich dickbäuchige und reichlich mit Bier gefüllte Männer 50+ sabbernd fotografierend vor heißen knapp-über-18-Babes auf sich drehenden Tellern sehe, denke ich primär an Phuket, RTL2 ab 23Uhr und in großen Kannen eingeschenkte Fremdscham.

Hier der Beweis, natürlich primär um euch sexistische Schweine auf genderpädagogisch korrekte Linie zu bringen. In nach absteigender Menge von Kleidung sortierter Reihenfolge:

Die gelangweilte Zukunft der Zweiradindustrie

Genug hormonelle Aufladung für heute. Jedem Höhepunkt folgt in der Regel eine Phase der Entspannung. Und wenn man durch die Hallen der Intermot schlendert, fällt einem auf, dass eine Kulturgruppe offenbar bis eben gerade die höchsten Höhen der Höhepunkte erklommen haben muss. Anders lässt sich dieser Perfektionsgrad an Tiefenentspannung, die hart an der Grenze zu Langeweile kratzt, bei den unzähligen kleinen Ausstellern asiatischer Herkunft nicht erklären. Es sind eben nicht gerade wenig, und besonders oft kommen sie aus China, allesamt aber geeint in zen-artiger Abwesenheit und Smartphone-Fixierung. So weit, so Klima(r)x.

Sie planen die endgültige  große Übernahme der alten Motorwelt, anders kann ich mir das nicht erklären. Kein Wunder, wenn man bedenkt wie lächerlich klein die westlichen Märkte im Vergleich sind. Schon 2008 wurden in China von 130 Herstellern 27,5 Mio. motorisierte Zweiräder hergestellt, was mal eben die halbe jährliche Weltproduktion war. Zum Vergleich: BMW stellte zur selben Zeit etwa 100.000 Motorräder her. Weltweit. Und wie bei vielen Dingen, die mit China zu tun haben, gibt es für die Zukunft nur eine Stoßrichtung: Nach oben, und zwar mit Vollgas.

Kein Wunder also, dass alle Motorradmächte der alten Welt auf Teufel komm raus in China Fuß fassen wollen. Sei es als Absatzmarkt für die eigenen Produkte, als Möglichkeit für Joint Ventures oder um eigene Komponenten günstig dort herstellen zu lassen. Aber darüber wird nicht so gerne gesprochen. Im Horizont des westlichen Otto-Normal-Motoristen soll China ja schließlich nicht allzu viel auf der Pfanne haben. Außer vielleicht ein paar Fleischfetzen fragwürdiger Herkunft.

Noch geht es im roten Staat hauptsächlich um wahllose After-Market-Teile, kleine Low-Tech-Kräder für die breite sonst immobile Masse und absurd dreiste Kopien hiesiger Gefährte (Von denen übrigens eine hier auf der Intermot ein so offensichtliches Plagiat einer aktuellen Vespa war, dass Piaggio eine umgehende Entfernung derselben veranlasste und einen juristischen Shitstorm auf den zugehörigen Hersteller regnen ließ). Aber man sollte sich nur mal ins Gedächtnis rufen, wie die Japaner belächelt wurden, als sie das globale motorische Spielfeld betraten, vor allem auf 4 Rädern. Oder in jüngerer Zeit die Koreaner, ebenfalls auf 4 Rädern. Und dann nochmal kontemplieren, an welcher Stelle eben jene jetzt auf der automotiven Nahrungskette angelangt sind. Eben.

Sie wird kommen, die nichtjapanische Motorradmacht aus Fernost. Und zwar gewaltig. Aber bis dahin spielen ihre Funktionäre noch etwas Angry Birds:

Rückkehr einer Legende

Ich hege ja bekanntlich eine unter Motorradfahrern und -Fans i.d.R. nicht ganz mehrheitsfähige starke Zuneigung zu klassischen italienischen Rollern, von denen ich im Laufe meiner Motorkarriere einige besaß und ein besonders schönes Stück immer noch mein Eigen nenne. Weil sie Style haben, weil sie das schlauste Transportmittel in der Großstadt sind, weil die Chicks unglaublich darauf abfahren. Ich berichtete in jüngerer Vergangenheit auf diesem kleinen feinen Blog.

Umso mehr hat es mein Scooter-Herz erwärmt, als ich völlig unvorbereitet auf den Stand von Scomadi stieß. Ein britisches Joint Venture von Scooter Innovation und der legendären Tuningschmiede PM Tuning, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, moderne Roller mit dem Design der unglaublichen, der hinreißenden, der einzig wahrhaften Lambretta DL/GP zu bauen. Das Ergebnis kann mehr als überzeugen. Man kann es kaum glauben, wenn man davor steht, aber es ist tatsächlich keine alte, aufwendig restaurierte und heftig gepimpte Lambretta. Nein, dieses Baby kann man fabrikneu und klangvoll als Turismo Leggera firmierend erstehen. Lackierung, Finish, Verarbeitung…alles auf starkem und stilvollem Niveau. Keine aus Profitgier eilig auf retro zusammengedengelte Fernost-Billo-Schüssel, sondern ein liebevoll gemachtes Produkt zweier Urgesteine der britischen Scooterszene, das einer respektvollen Verneigung vorm Original gleichkommt.

Gibt es als 50er (schon erhältlich) und als 125er (ab Frühjahr 2015). Beide kommen mit generischen, aber praxisbewährten 4Takt-Motoren aus China, die millionenfach in einer Vielzahl moderner Roller stecken. Den Vogel schießt aber die 300er ab, ebenfalls ab Frühjahr 2015. Sie wird den aus der Vespa GTS 300 bekannten und ziemlich kräftigen 4Ventil-Motor tragen. Was sie sehr kompatibel zu einer Vielzahl von schon erhältlichem Tuning-Zubehör machen dürfte. Um die vorzeitige Befeuchtung der wieCarreranurmitO-schen Hosen vollends zu provozieren, laut Aussage der Standverantwortlichen für deutlich weniger Cash als der Motorenspender. Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke!

And on this bombshell, it’s time to end. Thank you very much for not falling asleep, good night!

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